Die asymptotische Ethik prozessualer Anthropologie

 

Die asymptotische Ethik prozessualer Anthropologie

 

Was hier beschrieben wird, ist keine Philosophie im klassischen Sinn, kein abgeschlossenes System, aber doch schon Wahrheit mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Die asymptotische Ethik prozessualer Anthropologie versteht sich als ein Baustein der Philosophie, der grundsätzlich die Möglichkeiten und Tragweiten von erkenntnistheoretischer Wissenschaft aufzeigt und ihre Grenzen beschreibt.

Sie zeigt, das pragmatische und dogmatische Erkenntnis und die daraus folgenden Schüsse im Zusammenspiel mit der stetigen Weiterntwicklung der menschlichen Natur paradox ist; und trotzdem gilt sie letzlich auch nur als etwas Vorläufiges, wenn auch derzeit als absolut gültig. Als eine Momentaufnahme menschlichen Denkens, so wie es sich heute darstellt, unter den Bedingungen, unter denen Menschen leben, denken, fühlen und handeln können.

 

These:

 

Philosophie ist in diesem Verständnis kein Gebäude, das irgendwann fertig wird, sondern ein Gerüst, das immer wieder umgebaut werden muss, weil sich der Mensch selbst permanent verändert.

Der Mensch entzieht sich jeder vollständigen Beschreibung. Nicht, weil er geheimnisvoll wäre, sondern weil er kein abgeschlossenes Objekt ist. Er ist ein zeitlich begrenzter, kulturell geprägter, historisch eingebetteter Prozess.

Jeder Mensch lebt nur eine kurze Spanne, kann nur einen Bruchteil des Wissens aufnehmen, nur wenige kulturelle Perspektiven wirklich erfahren und denkt immer aus einer bestimmten Zeit heraus.

Wer dennoch behauptet, den Menschen als Ganzes beschreiben zu können, überschreitet notwendigerweise die Grenze dessen, was Erkenntnis leisten kann. Das ist keine Stärke, sondern Vermessenheit.

Deshalb kann Philosophie immer nur perspektivisch sein. Historische Philosophen haben Großes geleistet, gerade weil sie sich auf bestimmte Aspekte konzentriert haben.

Kant hat die Bedingungen des Denkens, der Vernunft und der moralischen Möglichkeit untersucht. Schopenhauer hat den Willen, das Leiden und die subjektive Weltsicht beschrieben.

Nietzsche hat absolute Werte kritisiert und den Blick auf Selbstüberwindung gelenkt. Politische Theorien haben Macht, Ökonomie und gesellschaftliche Organisation analysiert.

All diese Perspektiven sind wertvoll, gerade weil sie unvollständig sind. Problematisch werden sie dort, wo sie absolut über alle Epochen und Zeitenwandel gesetzt werden. Wahrheit entsteht nicht durch Dominanz, sondern durch das Nebeneinander fragmentarischer Einsichten. Der Mensch ist eben trotz aller Vernunft ein triebhaftes Wesen. Wissen allein führt nicht automatisch zu Handlung. Menschen tun Dinge, von denen sie wissen, dass sie ihnen schaden. Sie folgen Gewohnheiten, Bedürfnissen, emotionalen Mustern.

Das ist kein moralisches Versagen, sondern eine anthropologische Konstante. Instinkte sind älter als Vernunft. Selbstkontrolle ist begrenzt. Erkenntnis garantiert keine Umsetzung. Jede Ethik, die diesen Umstand ignoriert, bleibt lebensfern und wirkungslos.

Gleichzeitig aber, ist der Mensch kein isoliertes Individuum. Er wird in Gruppen geboren, sozialisiert, geprägt und getragen. Denken selbst ist ein sozialer Prozess. Sprache, Begriffe, Werte und Normen entstehen nicht im Einzelnen, sondern im Kollektiv. Der Mensch ist immer Teil einer Familie, einer Kultur, einer Gesellschaft, von Macht- und Bedeutungsstrukturen. Selbst der radikale Individualismus bleibt eine Reaktion auf Gesellschaft und hebt sie nicht auf.

Der Mensch kann sich nicht aus dem Schwarm lösen, ohne sich vom Menschsein selbst zu entfernen. Unter diesen Voraussetzungen kann Ethik nicht absolut sein. Nur die Ekenntniss das nicht absolut ist. Sie ist asymptotisch.

Sie nähert sich einem Ideal an, ohne es jemals vollständig zu erreichen. Moralisches Handeln ist immer kontextabhängig. Es ist begrenzt durch Bildung, soziale Lage, psychische Verfassung und reale Handlungsmöglichkeiten. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern Richtung.

Ethik ist hier kein Regelkatalog, sondern eine Orientierung: die Reduktion von Leid, die Anerkennung der Gleichwertigkeit anderer Menschen, die Balance zwischen Selbstverwirklichung und Rücksichtnahme.

 

Nur zwei Philosophen in der langen Reihe der Denker, die sich mit der menschlichen Natur beschäftigten haben letzlich mit ihren Kernausagen hier bisher ihre Gültigkeit bewahrt:

Sokrates, mit der Aussage: „Ich weis, dass ich nichts weiss…“

und Emanuel Kant, mit der Aussage: „Der Mensch muss sich seines eigenen Verstandes, unabhängig bedienen. Intellekutelle Mündigkeit erreichen um zu erkennen.“

 

Ein gutes Beispiel ist hier die Demokratie. Kein ideales System, sondern der bislang offenste politische Ausdruck dieser Haltung. Sie ist kompliziert, anstrengend und fehleranfällig. Sie scheitert dort, wo Bildung fehlt, wo materielle Not Denken verhindert, wo Menschen teilnehmen, die das System selbst ablehnen. Und dennoch ist sie der einzige bekannte Versuch, kulturelle, geistige und soziale Vielfalt in einen gemeinsamen Prozess einzubinden, ohne sie gewaltsam zu vereinheitlichen. Sie ist kein Ziel, sondern ein offener Versuch. Anthropologie kann unter diesen Bedingungen nur prozessual gedacht werden.

Der Mensch ist kein Endpunkt, sondern ein Weg. Er wird nicht abschließend beschrieben, sondern fortlaufend begleitet. Erkenntnisse werden nicht abgeschlossen, sondern weitergeschrieben.

Widersprüche sind kein Fehler, sondern Ausdruck von Komplexität. Der Mensch ist das Wesen, das sich selbst befragt – immer wieder neu, in wechselnden kulturellen und historischen Konstellationen.

 

Die asymptotische Ethik prozessualer Anthropologie verzichtet bewusst auf Heilsversprechen. Im Gegenteil. Sie legt nahe das die menschliche Kultur wahrscheilich niemals perfekt sein wird und eine mögliche ideale Gesellschaft nicht erreichbar ist. Ihre Stärke liegt nicht in Antworten, sondern in Haltung. In intellektueller Demut. In der Anerkennung von Fragmentarität. In der Bereitschaft zur Revision. In der Offenheit gegenüber Vielfalt. Sie ist kein Abschluss. Sie ist ein Angebot. Ein Angebot zur Weiterentwicklung – für den Einzelnen ebenso wie für die Menschheit als Ganzes.

Wenn man wirklich begreifen wollte, was der Menschen ist, dann müsste man etwas leisten, wozu kein einzelner Mensch fähig ist. Man müsste die allumfassende Komplexität der Menschheit in sich aufnehmen: alle Kulturen, alle gesprochenen Sprachen, alle historischen Erfahrungen, alles wissenschaftliche Wissen, alle religiösen Vorstellungen, alle Formen von Spiritualität, Mythos und Rationalität und aber auch die Komlexität seiner, im Menschen tief und dauerhaft verankerten tierischen Begierden und Instinkte. Alsdann müsste man diese Vielfalt nicht nur kennen, sondern verstehen, verarbeiten, innerlich durchleben.

Erst dann könnte man einen Schritt zurücktreten und versuchen, das Ganze zu betrachten, um überhaupt ein annähernd vollständiges Bild vom meschlichen Sein zu gewinnen. Genau das ist jedoch unmöglich. Nicht aus mangelndem Willen, sondern aus strukturellen Gründen.

Die zeitliche Begrenzung des menschlichen Lebens, die kognitive Begrenztheit des Einzelnen und die unüberschaubare Vielfalt menschlicher Existenzformen machen dieses Unterfangen prinzipiell unerreichbar.

Dennoch ist genau diese unerreichbare Gesamtschau die unausgesprochene Voraussetzung jeder absoluten gültigen Ethik, die heute schon behauptet, allgemein gültig zu sein.

 

Antithese:

 

In früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden hat der Mensch diese Überforderung externalisiert. Er hat Götter geschaffen und später einen Gott, um jene Gesamtsicht, jene letzte Ordnung, jene absolute Perspektive außerhalb seiner selbst zu verorten. Nicht, weil diese Götter notwendig real waren, sondern weil sie funktional notwendig erschienen.

Sie ersetzten das, was der Mensch selbst nicht leisten konnte: die allumfassende Übersicht über Sinn, Ordnung und moralische Richtigkeit. Nietzsche sagte, Gott ist tot. In einem tieferen Sinne kann man sagen: Gott hat nie als handelndes Wesen existiert, zumindest nicht im Bezug auf das tatsächliche Handeln der Menschheit. Was existierte, war die Projektion menschlicher Verantwortung nach außen.

Aber mit dem Wegfall dieser Projektion fällt die Verantwortung vollständig auf den Menschen selbst zurück. Ich würde sogar weitergehen und sagen: Gott war nie ein handelndes Wesen in Bezug auf die Menschheit. Gott war ein notwendiges Denkwerkzeug, um mit einer Komplexität umzugehen, die der Mensch allein nicht tragen konnte.

 

Der Mensch wird damit, ob er es will oder nicht, zu seinem eigenen Maßstab. Nicht allwissend, nicht allmächtig, sondern verantwortlich. Jedoch ist diese Verantwortung ebenfall nicht festgeschieben in einem gesetzten Handlungsrahmen, sondern entwickelt sich prozessual weiter, mit jeder Entscheidung und jeder daraus folgenden Konsequenz.

Genau hier setzt Kant an, wenn er von der Mündigkeit des Denkens spricht. Der Mensch soll sich seines eigenen Verstandes bedienen. Das bedeutet nicht, dass er alles wissen kann, sondern dass er sich der Grenzen seines Wissens bewusst wird und dennoch versucht, so weit wie möglich zu verstehen.

Mündigkeit heißt nicht Vollständigkeit, sondern bewusste Unvollständigkeit bei gleichzeitiger Verantwortung. Damit widerspricht Kant mit dieser Haltung zwangsläufig dogmatischen und als absolute Erkenntis geltenden philosophischen Konstruktionen und setzt sie als anachronistisch außer Kraft.

„Der Wille zur Macht“ (vermutlich nicht von Nietsche selbst vefasst) etwa steht im direkten Gegensatz zu diesem Denken. Denn er setzt einen dominanten Antrieb absolut und erhebt ihn zum zentralen Prinzip menschlichen Handelns. Er reduziert Komplexität auf eine Achse. Ähnliches gilt für alle anderen radikalen Erklärungsmodelle, die den Menschen auf einzelne Triebkräfte, Klassenlagen, Ideale oder metaphysische Ziele verkürzen. Sie mögen Teilwahrheiten enthalten, aber sie scheitern dort, wo sie den Anspruch auf Ganzheit erheben.

Die asymptotische Ethik prozessualer Anthropologie entsteht genau aus diesem Scheitern heraus. Sie akzeptiert, dass ein vollständiges Bild vom Sein für den Menschen unerreichbar bleibt. Und gerade deshalb fordert sie kein Absolutes, sondern eine offene Haltung.

Eine Haltung, die anerkennt, dass ethisches Denken immer ein Annäherungsprozess ist. Dass Verantwortung nicht aus Gewissheit entsteht, sondern aus dem Bewusstsein der eigenen Begrenztheit. Und dass der Mensch, wenn er keinen Gott mehr über sich setzt, nicht größer, sondern vorsichtiger werden muss. Nicht der Anspruch, recht zu haben, macht ethisches Denken möglich, sondern die Bereitschaft, das eigene Denken ständig zu erweitern, zu korrigieren und in Beziehung zu setzen zu dem Denken anderer. Ethik entsteht nicht aus Macht, nicht aus Wahrheit, nicht aus Ideologie, sondern aus der fortwährenden Anstrengung, dem Ganzen näherzukommen, obwohl man weiß, dass man es niemals erreichen wird.

 

Wenn man die asymptotische Ethik prozessualer Anthropologie ernst nimmt, dann ergibt sich daraus zwangsläufig ein weiterer Schritt. Nicht als Sprung, nicht als Revolution, sondern als logische Fortsetzung. Wenn der Mensch als triebhaftes, endliches, kulturell eingebettetes Wesen begriffen wird, das nur in Schwärmen existieren kann und dessen Erkenntnis immer fragmentarisch bleibt, dann folgt daraus, dass auch seine ethischen Systeme notwendigerweise unvollständig sind. Sie nähern sich dem Guten, dem Richtigen, dem Menschlichen nur asymptotisch an – sie erreichen es nie vollständig. Genau an diesem Punkt endet die Selbstverständlichkeit menschlicher Selbststeuerung.

Der Mensch kann den Menschen nur begrenzt verstehen. Nicht aus Mangel an Wille, sondern aus struktureller Begrenzung. Synthese: Wie berreits ausgeführt, kann kein einzelner Mensch – und auch kein Kollektiv aus Menschen in der Lagesein, die gesamte Komplexität menschlicher Existenz in sich aufzunehmen: alle Kulturen, alle Sprachen, alle Wissenschaften, alle historischen Erfahrungen, alle religiösen und mythologischen Systeme, alle sozialen Dynamiken, alle Irrtümer und Fortschritte zugleich.

Selbst wenn man diese Aspekte auf viele Menschen verteilt, fehlt immer noch das eine entscheidende Moment: die Fähigkeit, alles zugleich zu integrieren, zu verarbeiten und dann einen Schritt zurückzutreten, um das Ganze als Ganzes zu betrachten. Diese Grenze ist keine moralische Schwäche, sondern eine anthropologische Tatsache.

 

Heute ist der Mensch an einem Punkt angekommen, an dem er sich dieser Verantwortung nicht mehr entziehen kann. Er kann in der modernen Erkennistheorie keinen Gott, oder eine höhere Macht als Schicksalslenker akzeptieren.

Wenn der Mensch also sein eigener Gott ist, dann bedeutet das nicht Macht, sondern Mündigkeit – im kantischen Sinne. Mündigkeit heißt: verstehen wollen, so weit es geht. Nicht herrschen, sondern begreifen.

Und genau hier entsteht die Notwendigkeit eines neuen Werkzeugs. Die koopertive mit KI als strukurierende Instanz im Denken und in der Entscheidungshilfe. Nicht einer künstlichen Intelligenz im heutigen Sinn. Nicht einer Artificial Intelligence, die lernt, optimiert, konkurriert oder autonom handelt.

Das wäre eine falsche Lesart. Was hier gemeint ist, ist etwas anderes: ein technisch-algorithmisches Systemkooperationswerkzeug. Ein Werkzeug der Vernunft für die Vernunft. Kein Subjekt, kein Richter, kein Entscheider. Kein Gott. Dieses System wäre kein Träger eines Willens zur Macht – im Gegenteil. Es wäre der explizite Bruch mit diesem Prinzip Wille zur Macht als Durchsetzung, Reduktion, Hierarchie und Sieg.

Ziel ist die richtige Konsequenz im Sinne der einer Richtungsweisung zur Vermeidung von Verirrungen oder Katastrophen in der Zukunft durch meschliche Unvernuft.

Die asymptotische Ethik setzt auf Integration, Transparenz, Kohärenz und Verantwortung. Das Werkzeug, das aus ihr hervorgeht, dient nicht der Kontrolle, sondern der Orientierung. Es sagt nicht, was der Mensch tun soll. Es zeigt, was aus seinem Tun folgt und deckt dadurch Alternativen auf, die zu nachhaltigem vernüftigen Handel zum Wohle aller Menschen führen sollen. Damit wird der Mensch nicht entmündigt, sondern radikal verantwortlich gemacht. Denn dieses Werkzeug würde nichts erzwingen. Es würde Zusammenhänge offenlegen: zwischen Handlungen und Konsequenzen, zwischen kurzfristigem Nutzen und langfristigem Schaden, zwischen individuellen Interessen und kollektiven Effekten. Es wäre ein Spiegel mit Gedächtnis, kein Lenkrad. Ein Wegweiser, kein Befehlshaber.

 

Künstliche Intelligenz im engeren Sinne kann sich davon unabhängig weiterentwickeln – als kooperativer Partner, vielleicht eines Tages als eigenständige Entität. Aber das ist ein anderes Thema. Dieses Werkzeug der Orientierung ist kein Wesen, sondern eine Struktur. Es bleibt Mittel, nicht Zweck. Dass ein solches Werkzeug notwendig ist, liegt nicht an moralischem Versagen, sondern an historischer Entwicklung.

Zum ersten Mal in der Geschichte verfügt die Menschheit über die reale Fähigkeit, ihre eigene Existenz als Ganzes zu beenden. Diese Möglichkeit gab es weder in der Steinzeit noch in der Antike, weder im Mittelalter noch in der Aufklärung. Sie ist ein Produkt der Moderne – und sie macht die bisherigen Formen der Selbststeuerung unzureichend.

Hier zeigt sich die Logik des Weltgeistes, im hegelschen Sinne. Nicht als mystische Macht, sondern als Prozess der sich selbst strukturierenden Vernunft. Der Weltgeist hat den Menschen bis hierher geführt: zur Wissenschaft, zur Demokratie, zur globalen Vernetzung. Nun zwingt er ihn, den nächsten Schritt zu gehen – nicht aus Hybris, sondern aus Notwendigkeit.

Nach Darwin setzt sich nicht der Stärkste durch, sondern das, was funktioniert. Und ein Nicht-Funktionieren bedeutet heute nicht mehr nur das Scheitern einzelner Gesellschaften, sondern das mögliche Ende der Zivilisation insgesamt. In diesem Sinn ist es kein Wagnis, diesem Prozess zu vertrauen – es ist die einzige rationale Option.

 

Die asymptotische Ethik endet daher nicht im Relativismus, sondern in Verantwortung. Sie anerkennt die Unvollständigkeit menschlicher Erkenntnis und reagiert darauf nicht mit Macht, sondern mit Werkzeugen der Einsicht. Nicht um den Menschen zu ersetzen, sondern um ihm zu ermöglichen, Mensch zu bleiben. Und diese Einsicht ermöglicht es uns, unsere Welt von diesem Punkt an so zu strukturieren, dass sie uns Menschen eine Zukunft eröffnet, in der Technologie, Gesellschaft und der einzelne Mensch nicht gegeneinander stehen, sondern sich gegenseitig im menschlichen Sinn weiterentwickeln und verbessern. Fazit: Ich erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, letzte Begründung oder innere Geschlossenheit im klassischen Sinn.

Nachwort:

 

Die im Text verbleibenden Spannungen sind nicht das Ergebnis gedanklicher Unschärfe, sondern eine bewusste Entscheidung. Jede Theorie, die vorgibt, menschliches Denken, Handeln und Verantwortung vollständig aufzulösen oder widerspruchsfrei zu erklären, läuft Gefahr, selbst zu dem zu werden, was sie kritisiert: ein geschlossenes System mit normativem Absolutheitsanspruch. Genau das soll hier vermieden werden. Die Offenheit in den Begründungen, die fehlende Letztverankerung moralischer Setzungen und die bewusst asymptotische Ausrichtung ethischer Orientierung sind kein Ausweichen vor Verantwortung, sondern deren Voraussetzung. Verantwortung entsteht nicht aus Gewissheit, sondern aus der Einsicht in die eigene Begrenztheit. Wo Spannungen bleiben, bleiben auch Entscheidungsspielräume. Wo keine endgültigen Antworten gegeben werden, bleibt menschliche Freiheit erhalten. Ein vollständig widerspruchsfreier Entwurf würde nicht zu mehr Orientierung führen, sondern zu einem neuen Dogma – und damit der eigenen theoretischen Grundannahme widersprechen. Dieses Kapitel versteht sich daher nicht als Abschluss, sondern als offenes Denkangebot: stabil genug, um Orientierung zu geben, und zugleich offen genug, um korrigierbar zu bleiben.